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Hier nun zwei Kurzgeschichten aus meiner Feder:

Buch

Es war einmal ein Baum

(copyright by DL4CR)

Es war einmal ein Baum, der stand in einem schönen Garten. Es war eine wunderbare

Nordmanntanne, schön gewachsen ragte sie in die Höhe neben einer Terrasse. Bald 15 m war sie groß und 25 Jahre stand sie schon hier. Sie gehörte in diesen Garten. Es war ihr Platz.

In ihren Zweigen hatte sich ein Eichhörnchen seine Wohnung gebaut, ganz weit oben in 8 m Höhe. Da war es sicher und konnte seinen Nachwuchs großziehen. Und jedes Jahr im Herbst kamen viele Vögel zu dieser Tanne und pickten die Samen aus den vielen Zapfen, die auf den Spitzen ihrer Zweige wie Kerzen thronten. Ein fröhliches Gezwitscher war zu hören und alle lebten sie in Eintracht und Frieden.

 

Dann war da noch ein Mensch, der lebte in dem Haus neben dieser Tanne. Und eines Tages

Kam er auf die Idee, sich eine Überdachung über seine Terrasse zu bauen, damit er länger auf der Terrasse verweilen konnte, um die Tiere seines Gartens beobachten zu können, auch wenn es mal etwas regnete. Im Herbst stellte dieser Mensch dann fest, dass das Dach seiner Terrassenüberdachung sehr verschmutzt war.

Er besah sich dies genauer. Es waren Reste von Tannenzapfen.

„Die Tanne verdreckt mein Dach“ rief er erbost, bestellte einen Gärtner und ließ die Tanne eines Tages fällen.

Am Abend kehrte das Eichhörnchen zurück und wollte in seine Wohnung, doch diese war verschwunden. Traurig um Heim und Schutz gebracht, suchte es das Weite und kam nie mehr wieder in diesen Garten.

Am anderen Tag kamen die Vögel und wollten fressen, doch ihr geliebter Fressplatz war nicht mehr vorhanden, also zogen sie fort.

 

Doch der Mensch war zufrieden, denn er hatte keinen Dreck mehr auf seinem schönen Dach.

Nach einer Weile wunderte er sich nur, wo denn all die Tiere geblieben waren. Stunden um Stunden verbrachte er auf seiner Terrasse, doch er sah nur noch selten eines.

„Daran ist die fortschreitende Umweltverschmutzung schuld“ murmelte er, „die Fauna kann sich gar nicht mehr richtig entwickeln“. Er ging zurück in sein Haus und nutzte seine Terrasse von Jahr zu Jahr seltener.

 

      • * * * * *
  • Es war einmal ein Mensch, der ging Jahr für Jahr jeden Tag durch einen Wald, um zu seiner Arbeitsstelle zu gelangen. Ab und an verspeiste er etwas auf seinem Weg und warf den Abfall

    Ohne groß drüber nachzudenken in den nächsten Strauch, auf den Boden oder hinter einen Baum.

     

    Es war aber auch ein Riese, dem gehörte der Wald. Am Anfang gefiel es ihm sehr, wenn der Mensch pfeifend durch seinen Wald ging, er mochte die Melodien, die er immer wieder hörte.

    Doch dann sah er den Müll, den der Mensch hinterließ. Das passte dem Riesen gar nicht und eines Tages nahm er seine Axt zur Hand und hackte den Menschen, als dieser da seines Weges ging, einfach mitten entzwei.

    Nun hatte der Riese keinen Dreck mehr in seinem Wald.

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    Das Croissant

    (copyright by DL4CR)

    Saumüde bin ich, viel zu früh aufgestanden an diesem Sonntag Morgen. Liebend gern würde ich jetzt zurück in mein Bettchen kriechen und weiterschlafen. Aber Nein, der Freund neben mir meinte, wir müssten heute früh auswärts essen gehen. Dabei wäre es doch daheim viel billiger, Brötchen holen, Wurst, Käse, Marmelade usw. vorhanden, ab ins Bett und dort frühstücken oder halt in der Küche am Esstisch, wie auch immer, billiger wäre es. Sowas habe ich ja noch nie gemacht: auswärts frühstücken.

    Na ja, aber ich gebe mich brummelig geschlagen in der stillen Hoffnung, dass wir kein Cafe finden, wo wir einkehren können.

    Aber in Frankfurt findet man ja alles.

    Tatsächlich... ein Cafe... geöffnet... Stühle und Tische stehen davor, Sonnenschirme sind aufgespannt und auf der Markise steht groß und breit „Früstücksbuffet“. Ich starre es an wie ein böses Omen.

    Stellt sich immer noch die Frage, ob wir auch in diesem beengten Frankfurt einen Parkplatz finden. Innerlich schon zufrieden grunzend, denke ich mir“Finden wir nie hier in der Innenstadt“.

    Doch Pech für mich... mein Freund scheint nur Glück zu haben, gleich bei dem Cafe um die Ecke ein megagroßer, freier Parkplatz. „Shit“ schreit es in meinen Gedanken „mich ich doch hier frühstücken“.

    Ergeben gebe ich mich geschlagen.

    Am Cafe angekommen, pflanze ich mich gleich in die Sonne, damit meine Beine auch mal ein wenig Farbe abbekommen. Wenigstens etwas, in weiser Voraussicht hatte ich mir ein kurzes Kleid angezogen. Zumindest ist das hier DAFÜR nutze....

    In der Nähe stehen ein paar Brunnen – schön anzusehen -, die Stühle sind einigermaßen bequem, die Sonne scheint. Eigentlich nicht schlecht hier. Wir sind noch so ziemlich die einzigsten Gäste, irgendwie habe ich das Gefühl, ein Außerirdischer zu sein.... so was kenne ich gar nicht... auswärts frühstücken... innerlich schüttele ich den Kopf darüber. Macht man so was? Bin doch nicht im Urlaub.

    Die Preisliste wird gezückt und studiert. Doch nicht so teuer, geht ja. Bei der Bedienung bestelle ich einen großen Pott Milchkaffee. Meine Laune hebt sich, als sie damit ankommt.

    Lecker, so was bekomme ich daheim nicht.

    Langsam füllt sich auch das Cafe. Anscheinend ist es doch nichts gar so Ungewöhnliches, es gibt noch andere, die tatsächlich in ein Cafe zum Frühstücken gehen, bin doch kein Außerirdischer, noch besser.

    Am Nebentisch nimmt ein älteres Pärchen Platz. Gut angezogen, aber der Lippenstift von ihr ist zu grell und verläuft in den Falten um ihren Mund, der verkniffen zusammengepetzt ist. Ihr Lidschatten ist zu blau, ihre Bewegungen zu affektiert und hektisch. Ihr Mann sagt nichts, er scheint ein ganz ruhiger zu sein, nimmt sein Buch zur Hand, setzt sich und liest.

    Die Bedienung eilt auf die beiden zu. Bei der Bestellung gibt es Ärger. Die „Dame“ möchte einen Kaffee und ein Croissant, freundlich erklärt ihr die Bedienung, dass es Croissants nur in Verbindung mit dem Frühstücksbuffet gebe, nicht aber einzeln. Diese Frau scheint das überhaupt nicht einsehen zu wollen, regt sich darüber auf: In den Cafes, in die sie gehen würden, gibt es immer einzelne Croissants, meint sie überheblich. Wenn es hier doch Croissants gebe, warum sie denn dann keines bekommen könnte, so würde man Stammkunden gewinnen. Vielleicht würde sie dann ja auch immer wieder herkommen. Dabei setzt sie ein so falsches Lächeln, dass wohl verbindlich und gewinnend wirken soll, auf, dass ich nur kopfschüttelnd zu meinem Freund sehen kann, der das Schauspiel auch amüsiert verfolgt.

    Sie kann es nicht einsehen, belustigt beobachte ich das ganze und wundere mich, wie ein so verkniffener Mund noch getoppt werden kann. Ihr ganzes Gesicht ist nur noch ein Kneifen.

    Sie zerrt eine Zeitung hervor, studiert diese würdevoll. Zu ihrem Mann macht sie ein paar Scherze, die so unwitzig aus ihrem Munde kommen, dass man sie als Scherz überhaupt nicht zum Lachen finden kann. Selbst ihr gekünsteltes, leises, vornehmes Lachen verleitet nicht dazu, darin einzustimmen. Irgendwo tut sie mir leid.

    Dann und wann schiebt sie ihrem Mann einen Bericht aus der Zeitung zu. Brav und wie dressiert legt er dann sein Buch zur Seite, liest ergeben den Artikel und stimmt ihr – wie sollte es anders sein – in allen Punkten ihren Ausführungen zu.

    Ich gehe zum Buffet und entdecke die Croissants. Ich kann nicht anders, ich nehme mir gleich drei Stück, innerlich schmunzelnd.... nein... eher hämisch grinsend.

    Mit meinem Essen kehre ich zurück. Ein Blick zum Nachbartisch. Ihren Kaffee hat sie bereits, aber kein Croissant. Grinsend schaue ich auf meinen Teller und setze mich.

    Weiter die beiden beobachtend, widme ich mich meinem Frühstück. Diese Croissants sind einfach köstlich. Provokativ langsam und genüsslich verspeise ich sie, ich kann einfach nicht anders, am liebsten würde ich ihr eines meiner franz. „Hörnchen“ anbieten. Bei dem Gedanken muß ich mir ein Lachen verkneifen.

    Über die beiden mache ich mir meine Gedanken:

    Ganz offensichtlich ist sie sehr dominant und er ihr devoter Untertan. Geld scheinen sie auch mehr als genug zu haben, wenn man sich deren Kleidung betrachtet. Also SIE hätte ich nicht gerne als Arbeitskollegin oder gar Chefin, so wie sie sich aufführt, und ER, so wie er sich benimmt, so untertänig.... ein labbeduddeliger Arschkriecher, der seinem Chef alles zuträgt und schleimt ohne Ende?

    Nein, vermutlich wird es ganz anders sein.

    Sie wird wahrscheinlich Hausfrau sein, ihren Mann hochgepowert haben bis in irgendeine Führungsposition, der musste, konnte gar nicht anders, sie wird ihm schon Dampf gemacht haben, glänzt nun mit seiner Position bei Nachbarn und Bekannten, gibt an mit Besitz und Reichtum, ist gewohnt, von allen dafür bewundert zu werden, aber glücklich ist sie offensichtlich nicht, sonst würde sie sich etwas umgänglicher und freundlicher benehmen, ihren Mann mehr respektieren. Und ihr Mund wäre nicht so verkniffen, so unzufrieden.

    Und Er?

    Er wird wahrscheinlich Chef irgendwo in einem Büro sein, seine Untergebenen striezen bis zum geht nicht mehr, auf der Arbeit Dampf ablassen, seinen Frust abbauen von dem Druck seiner Frau. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er immer so ruhig und ergeben ist. Er wird auch irgendwo ein Ventil haben müssen.

    Irgendwie bin ich froh, die beiden nicht näher zu kennen oder gar mit ihnen zusammenarbeiten zu müssen. Andererseits stimmt es mich traurig, sie zu beobachten. Sie scheinen nicht sehr zufrieden zu sein, weder mit sich noch mit ihrem ganzen Umfeld.

    Da sieht man es mal wieder, Geld und Erfolg alleine machen keineswegs glücklich. Und dann sich noch nicht einmal die 15 DM für ein Frühstück leisten wollen, obwohl die es bestimmt hätten. Sie tun mir beide entsetzlich leid.

    Ich genieße mittlerweile mein Frühstück in vollen Zügen, war doch eine super Idee gewesen, man muß es ja nicht jeden Sonntag machen, aber so ab und zu .... wirklich eine Bereicherung.

    Ich gehe mit mir selber zu Gerichte, ob nicht die ersten Anzeichen für solch ein Verhalten wie bei der Dame am Nachbartisch auch bei mir zu finden sind, merze sie aus. Nein, so will ich nie werden und auch nicht so wie er. Es ist doch gut, immer wieder solche Beispiele vor Augen geführt zu bekommen als Warnung für das eigene Verhalten, die eigenen inneren Einstellungen.

    Ich beschließe, dass das nicht das erste und letzte auswärtige Frühstück sein wird.

    Mit einem zufriedenen Lächeln lehne ich mich in dem Cafe-Stuhl zurück, strecke mein Gesicht der Sonne entgegen, stecke mir das letzte Stück meines Croissants in den Mund und brenne mir den Geschmack unwiderruflich in mein Gedächtnis ein.

     

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