Multiband-Vertikalantenne für
Kurzwelle für 7 bis 30 Mhz
In vielen Jahren mit
Antennenexperimenten hat sich bei mir eine Antenne besonders hervorgehoben.
Ich bezeichne sie sogar
als Referenzantenne, weil sich andere Antennen gut mit ihr vergleichen
lassen.
Sie strahlt fast ihre gesamte Energie flach und gleichmäßig in alle Himmelsrichtungen.
Sie ist relativ schnell, preiswert, stabil, witterungsbeständig und alleine aufzubauen.
Sie erfordert nur einen Mast und drei Abspannpunkte in
Bodennähe.
Sie hat einen großen benutzbaren Frequenzbereich bei geringen Verlusten.
Sie benötigt nur den eingebauten Antennentuner im Transceiver.
Sie hat ein geringes Gewicht und und ist sehr gut für Portable- und Stationsbetrieb geeignet.
Hier mal einige allgemeine
Betrachtungen.
Ich habe viele Jahre lang, jedes Jahr
für eine Woche mehrere Antennen aufgebaut und mit einander
ausgiebig verglichen. Nur im direkten Vergleich und mit einem zweipoligen
Antennenumschalter,
der auch die Masse und damit die anderen Antennen sicher abschaltet, kann man sich
eine Meinung
zu den einzelnen Antennentypen mit einfachen Mitteln
bilden.
In den letzten Jahren hat mir das Messgerät „RF1“
dabei sehr geholfen.
Es gibt nur zwei Fragen bei der
elektrischen Beurteilung von Antennen zu lösen!
Das ist die Frage nach dem
Energieverlust vom Funkgerät zur Antenne und
es ist die
Frage nach dem Strahlungsdiagramm.
Alle anderen Fragen ordnen sich
diesen beiden Fragen unter!
Es ist oft unmöglich oder nur
schwer zu erkennen, warum eine Antenne für eine bestimmte
Funkverbindung
gut oder schlecht ist. Oft ist es mehr Spekulation als
Information. Man muss viele wichtige Punkte richtig einordnen
um auf
eine akzeptable Beurteilung zu kommen. Weil es viele Punkte zu
beachten gilt und oft Unbekannte
vorhanden sind, liegt Irrtum und
Wahrheit dicht bei einander. Leider kann man die HF-Strahlung nicht
wegfliegen sehen. Hier ist das Analyseprogramm „EZNEC“ eine
Hilfe.
Man sollte aber keine Antenne als gut anpreisen, nur weil man mal eine weite Funkverbindung aufgebaut hat.
Man soll sogar mit einem nassen Handtuch funken können. (hi) Man sollte also immer die Bedingungen nennen
und mit einer zweiten Antenne vergleichen können.
Aber auch beim direkten Vergleich zweier Antennen lautert die
Selbstüberlistung.
Mit einem Antennenschalter wird z.B. ein 5m
Draht gegen ein 20m Draht auf 14 MHz verglichen.
Ergebnis: die lange
Antenne ist schlecht. Das ist selbstverständlich Quatsch,
denn es wurde vergessen
den resonanten 20m-Draht von seinen vielleicht 2000z auf
die 50z vom Funkgerät zu transformieren.
Ein typischer
Anpassungsfehler. Man muss vor dem Vergleich erstmal für
optimale Anpassung beider Antennen
am Funkgerät sorgen.
Schwieriger ist die Anpassung zwischen der Antenne und der
Speiseleitung.
Für eine Frequenz ist das noch leicht zu
realisieren, aber über einen größeren Frequenzbereich
ändern sich die
Anpassungsverhältnisse ständig. Erst wenn die Anpassung beider Antennen
ungefähr stimmt kann man sich
an den Versuch wagen, das
Richtdiagramm der Antennen zu erraten.
Im Vergleich zu den anderen aufgebauten Antennen hat sich immer wieder gezeigt, das es schwer ist
die Ergebnisse der vertikalen Referenzantenne zu übertreffen. Sie wurde nur von Antennen mit größerer
Richtwirkung in den Richtungen mit Gewinn übertroffen. Der Aufwand für diese Richtantennen war aber
ungleich höher. Es musste zuerst zwei oder drei hohe Befestigungspunkte geschaffen werden.
Die Höhe der vergleichenden horizontalen Richtantennen sollte dabei sogar etwas höher sein, als der
Einspeisepunkt der vertikalen Referenzantenne. Ansonsten hat die Richtantenne selbst in ihrer Hauptstrahlrichtung
kaum eine Chance bessere DX-Funkverbindungen zu realisieren, weil nicht genügend flache Strahlung vorhanden ist.
Am besten übertroffen wurde meine vertikale Referenzantenne von einer "lazy h" oder auch faulen Heinrich genannt,
bei der der obere Draht in 15m Höhe war. Die Antenne selbst bestand aus 2 x 2 x 13,8m Draht mit 7m
Stockungsabstand und wurde auch mit symmetrischem 300z-Flachbandkabel gespeist.
Die größere horizontale Ausdehnung und 3m mehr an Höhe macht den Vergleich schon fast "ungerecht".
Hier der Vergleich dieser lazy h zur vertikalen Referenzantenne im 20m-Band nach EZNEC.
Der Gewinn in wenigen Richtungen wird mit Verlust in den meisten Richtungen erkauft. Werden die Antennendrähte
länger als 1,28 x der Wellenlänge, dann splittet sich
das Richtdiagramm auf und die nicht brauchbaren Richtungen sind
schwirieger zu bestimmen. Über die Hälfte der Welt ist
also schlechter oder garnicht zu erreichen. Besonderes
das "garnicht"
kann sehr frustrierend sein, weil man es nicht sofort erkennt. Einige Länder sind also nur sehr schwer zu erreichen.
In der Praxis habe ich bis zu 4 S-Stufen (-24dB) festgestellt.
In den beiden Hauptstrahlrichtungen war sie besonders auf 14 MHz um ein bis zwei S-Stufen besser.
Der Rauschpegel war aber nicht höher, so das der faule Heinrich sehr "ruhig" wirkt.
Die W8JK hat etwa bei gleicher Höhe und Größe die gleichen maximalen Gewinne, aber der Öffnungswinkel war
spürbar kleiner. Es ist also eine "spitze" Richtantenne die besser drehbar aufgebaut werden sollte.
Für etwa gleichen Erfolg benötigt
ein fauler Heinrich eine größere
Höhe als eine W8JK
mit etwa gleicher Länge. Kann man eine
lazy h in großer Höhe montieren hat man den Vorteil des
größeren
Öffnungswinkels. Bis 10m Höhe
würde ich eine W8JK für die Kurzwelle empfehlen und ab 15m Höhe für den
oberen Draht die lazy h. Dies kann man auch gut mit dem
Analyseprogramm für Antennen „EZNEC“ erkennen.
Hier der Vergleich der W8JK mit 2x21m Länge und 4m Drahtabstand zur
Vertikalantenne mit 6,9m Topstrahler
und drei 6,7m Radiale. Beide in 12m Höhe und im 20m-Band.
Hier das 3D-Richtdiagramm meiner Referenzantenne im 20m-Band nach EZNEC.
Es ist keine senkrechte Strahlung, wie bei einem Dipol vorhanden.
Die wertvolle Sendeenergie geht dorthin wo sie hin soll.
Man braucht sich keine Gedanken über Nullstellen,
also unbrauchbare Richtungen der Antenne zu machen.
Der Effekt der fehlenden Nullstellen auf 360 Grad ist oft angenehmer,
als der Mehrgewinn eines Dipols oder G5RV in maximal 180 Grad.
Hier die Daten für EZNEC für diese Antenne zum download.
Die eigentliche Antenne besteht aus
einen oberen Strahler und aus drei zusammen geschalteten Radialen,
welche im Idealfall im steilen Winkel zum Boden zeigen. Also wie eine
Triple-Leg. Ich habe sie bis jetzt nur aus
Antennendraht gebaut. An
den Strahler und am gemeinsamen Kontakt der Radiale wird eine
symmetrische
Speiseleitung mit einer bestimmten Länge
angeschlossen. Die bestimmte Länge dient nur der günstigen
Impedanztransformation zum Transceiver. Eine günstige Länge des 300z-Flachbandkabels ist etwa 24m.
Auf 21 MHz ist der Anschluß hochohmig und läßt sich nicht mit dem eingebauten automatischen Tunner
des Transceivers anpassen. Ein externer Tuner oder kürzen oder verlängern des Flachbandkabel lösen das Problem.
Für einen stationären Aufbau habe ich einmal mit bistabile Relais das Flachbandkabel auf 15m gekürzt
bzw. 9m raus geschaltet.
Das andere Ende der Leitung
wird direkt mit dem automatischen Antennentuner des Transceivers
verbunden.
Der Strahler wird dabei mit dem Mittelkontakt und die
Radiale werden mit der Masse des unsymmetrischen
Antennenanschlusses
verbunden. Wie viele Versuche zeigten, ist eine Symmetrierung nicht
nötig.
Ein Balun verschlechtert sogar die Ergebnisse. Eine
symmetrische Speiseleitung ist ja bereits ein Symmetrierglied.
Vertauscht man die Anschlüsse ist kaum eine Verschlechterung im
praktischen Funkbetrieb feststellbar.

Hier die Elevations-Diagramme dieser Antenne in
12m Höhe mit EZNEC.
Als mechanischer Träger der
Drahtantenne hat sich eine 8m lange Stipprute aus Glasfaser sehr gut
bewährt.
Der Draht wird in schwachen Windungen mit Klebeband an
den Verbindungsstellen der einzelnen Elemente
der ausgezogenen
Teleskoprute befestigt. Damit wird gleichzeitig ein Zusammenfallen
der Rute verhindert.
Weil der Strahler knapp 7m lang ist ergibt sich
aus dem Rest der Angelrute ein „Mast“ von etwa 1m, der mit
den
Drahtradialen abgespannt werden muss.
An den Enden der Radialen und auch im Speisepunkt hat sich 2mm Polyesterseil sehr gut bewährt.
Die Verbindung der Antenne mit Speiseleitung wird auf etwa 3cm längst verlötet und sehr kurz mit Plastik 70 besprüht.

Die Haltbarkeit der Glasfiberruten ist
enorm. Selbst in den größten Stürmen zerbricht sie
nicht.
Sie darf aber nicht weiter abgespannt werden. Ich hatte bei
der ersten Festmontage als Stationsantenne auf
einem Flachdach eines
5 stöckigen Wohnblocks in etwa 3m Höhe vom dicken Ende der
Rute eine zweite Abspannung angelegt.
Zur Verbesserung der
Stabilität, so dachte ich, aber genau an dieser Stelle ist sie
dann nach etwa 4 Jahren gebrochen
und hing schief nach unten. Ich
habe sie dann an der Bruchstelle abgeschnitten und an den Maststummel
mit etwa
30cm Überlappung wieder festgebunden. Den überflüssigen
Antennendraht habe ich durch Drehen weiter aufgewickelt,
so das
nichts lose war. Diese reparierte und kürzere Antenne habe ich
noch ein Jahr benutzt.
Bei einem Sturm ist sie an der Reparaturstelle
erneut abgebrochen.
Die Leichtigkeit und Zerreißfestigkeit
ist auch ein Vorteil, denn wenn wirklich mal was abstürzen
sollte wird nicht gleich
Jemand erschlagen und beim Aufbau benötigt
man nicht viel Kraft.
Hier mal einige Gedanken über die
Speiseleitung. Sollte man Koaxialkabel oder eine symmetrische Leitung verwenden?
Die Speiseleitung soll frei und locker
verlegt werden. Meistens habe ich Flachbandkabel mit einer Impedanz
von 300z genommen. Dieses schwarze, etwa 10mm breite Flachbandkabel
kann man auch problemlos in
ein Holz- oder Kunststofffenster
einklemmen und in den Innenraum führen. Besonders von Metall
sollte man
die Leitung weitgehend entfernen. Ein
Abstand von 30cm ist aber schon ein annehmbarer Wert für kurze
Strecken,
denn die Strahlung um die einzelnen Drähte der
Speiseleitung benötigen mindestens diesen Raum um die Strahlung
zum gößten Teil kurz zu schließen und die Dämpfung gering zu halten.
Die
Speiseleitung, besonders wenn der Abstand der Drähte nur
10mm wie bei dem
Flachbandkabel mit 300z ist, kann man sie als
nicht strahlend betrachten. Bei größerem Abstand der
Drähte,
wie bei der offenen Hühnerleiter mit vielleicht 100mm
Abstand, wird die Strahlung und die Empfindlichkeit gegenüber
der Umgebung größer. Über die Strahlung der Bandleitung
gibt es immer wieder Diskussionen, weil mehrere Faktoren
beachtet werden müssen. Die Antenne strahlt wesentlich stärker
als die symmetrische Speiseleitung!
Funkstörungen (BCI) kommen fast
immer von der strahlenden Antenne und nicht von der viel geringen
Strahlung des
symmetrischen Speisekabels. Plötzliche Störungen
nach dem Wechsel der Koaxialkabels gegen eine Hühnerleiter
werden
oft auf die Leitung geschoben. In Wirklichkeit ist es aber die
stärker gewordene Strahlung der Antenne, weil die Verluste
auf
der Leitung geringer geworden sind und die Anpassung deutlich
verbessert wurde. Man sollte vor dem Wechsel mal
die Sendeleistung an
dem alten Koaxialkabel erhöhen um zu erkennen, welche Störungen
zu erwarten sind, wenn eine
dämpfungsarme symmetrische Leitung
benutzt wird. 3dB, was die doppelte Leistung am gleichen Widerstand
bedeutet,
kommen schnell zusammen. Der Unterschied ist auf der
Frequenz auf dem der alte Dipol seine Resonanz hat
noch am
geringsten. Für einen realen Test müsste, je nach
Leitungswerte, auf den resonanten Dipolfrequenzen
die Sendeleistung
vielleicht nur verdoppelt aber auf anderen Frequenzen vielleicht
sogar verzehnfacht werden,
denn die Dämpfung des Koaxialkabels
auf weit von 50z entfernten Impedanzen ist sehr hoch. Besonders hoch ist
die Dämpfung, wenn das Koaxialkabel zur Wellenlänge lang ist. Zu
beachten ist auch das die Angabe der Dämpfungswerte
für
Koaxialkabel sich auf eine reelle und optimale Anpassung des Kabels
beziehen. Die meisten Dipole werden direkt an
das Koaxialkabel
angeschlossen aber die sind nur auf eine Frequenz reell schon gar
nicht 50z.
Je nach Höhe kann man mit 60z bei einem Drahtdipol rechnen.
Bei einem hoch hängenden und schlanken Dipol sollte man
ein 75z Koaxialkabel nehmen, denn die Impedanz steigt mit der Höhe bis auf etwa 70z an.
Eine Fehlanpassung schon am Antennendraht ist die Folge.
Entfernt von der Resonanzfrequenz kommen
Blindanteile hinzu die am
direkten 50z-Anschluss des Transceivers zu weiteren unvermuteten
Verlusten führen.
Komischwerweise finden gerade die Funker den
direkten Anschluss des symmetrischen Kabels an den
unsymmetrischen
Transceiver Antennenanschluss seltsam die bei sich den Dipol direkt
an das Koaxialkabel gelötet haben.
Alleine der direkte Anschluss des Dipols an das Koaxialkabel bedeutet eine Fehlanpassung.
Dann kommt noch das Vergehen
an der Symmetrie hinzu, welches Mantelwellen
und damit Strahlung und Verlust auf dem Koaxialkabel bedeutet.
Ganz im
Gegensatz zum Anschluss eines symmetrischen Kabels an einen
unsymmetrischen Transceiveranschluss,
denn die Hühnerleiter
selbst ist ein Symmetrierglied und symmetriert den unsymmetrischen
Transceiverausgang an
die symmetrische Antenne. Also eine saubere
Sache!
Wer es übertreiben möchte,
kann ein paar Meter Flachbandkabel vor dem Transceiver auf ein Kunststoffrohr
mit
10mm Wickelabstand aufwickeln und Symmetrierglied ran schreiben.
Ein Symmetriefehler bei einer
Vertikalantenne ändert nur die Elevationswinkel aber die
Rundstrahlung
oder auch Azimuth genannt, bleibt erhalten. Bei einer
horizontalen Antenne verschieben sich die Azimuthwinkel
und man
findet erst mühsam die unbrauchbaren Richtungen nach vielen QSO´s und
vergeblichen Anrufen
und schlechten Rapporten. Gerade dieser kreisrunde Azimuth macht
diese Vertikalantenne zur einer
immer funktionierenden und
berechenbaren Referenzantenne. Zusätzlich könnte man, wenn
genügend Platz
und Aufhängepunkte vorhanden sind eine W8JK
oder eine Yagi in großer Höhe montieren um mehr Power in
bestimmte Richtungen zu erhalten.