Frequenzanzeige für XIRICO 2010

Von “ELV” wurde in den 90iger Jahren ein auf Basis des von “Stern-Radio Berlin” produzierten Radiorecorders “KR 2000” entwickelter Bausatz für ein AM/FM-Kofferadio vertrieben [1], welches auf MW, KW (5,95 MHz bis 9,9 MHZ) und UKW gute Empfangseigenschaften zeigt, so daß er sich vor so manchen billigen “Weltempfänger” nicht zu verstecken braucht. (Worin die Überarbeitung des “Gerätedesign[s] von einem namhaften westdeutschen Designer” bestehen soll ist, mir allerdings ein Rätsel.) Aus heutiger Sicht ist das Fehlen einer exakten, d.h. digitalen Frequenzanzeige ein Mangel, haben jetzt doch selbst “Weltempfänger” vom Wühltisch eine digitale Frequenzanzeige. Was liegt also näher als - nach einem von Vorschlag von Lothar Quietzsch [2] - der Einsatz eines solcher Frequenzzanzeige aus einem Billigradio im XIRICO 2010?

display
display 2

Auf dem linken Bild ist der von mir “geschlachtete” kleinen Empfänger (von “elta”) zu sehen. Um das Radio tat es mir etwas leid, da er zu meiner Überraschung eine recht annehmbare Empfangsleistung zeigte. Aber wo bekommt man sonst noch eine Frequenzanzeige für unter 10 € ? Alle Bausätze etc. kosten erheblich mehr und das Messen von Frequenzen von über 100 MHz bei großer Empfindlichkeit ist auch nicht so einfach zu realisieren. Auf dem rechten Bild ist das ausgebaute Modul (Frequenzanzeige und Uhr) zu sehen. Über 13 Drähte war es mit der Empfängerplatine verbunden (von oben nach unten gezählt)::

1

schwarz

Betriebsspannung
+ 3V

2

braun

Eingang FM

3

rot

Eingang AM

4

orange

orange + grün auf Masse: FM-Betrieb

5

gelb

 

6

grün

wenn auf Masse, dann SW

7

blau

 

8

weiß

 

9

grau

 

10

schwarz

Masse

11

braun

 

12

rot

+ 3V für Frequenzanzeige

13

gelb

 

Die Anschlußbelegung bekommt man durch Spannungsmessungen und Probieren heraus. Den Masseanschluß findet man mit einem Ohmmeter (Messung zum Abschirmblech des LCD-Displays). Im laufenden Betrieb - jeweils bei MW, KW, UKW und bei Uhrenbetrieb - mißt man dann alle an den Anschlußpunkten anliegenden Spannungen. Den Zählereingang für AM und FM identifiziert man durch Antippen der einzelnen Anschlußpunkte mit einem kleinen Schraubendreher - das Display zeigt dann “wirre” Werte.
Mein ausgebautes Display zeigt folgende Anschlußbelegung: Wird die Versorgungsspannung an (1) (+) und (10) (Masse) angelegt, beginnt die Uhr zu laufen. Wird die Versorgungsspannung zusätzlich an (12) gelegt, ist das Modul im Frequenzanzeigemodus. Da der Uhrenbetrieb uninteressant bzw. auf Grund der mechanischen Gegebenheiten wenig sinnvoll ist (man kommt an die Druckflächen zum Einstellen nicht heran), werden (1) und (12) an + 3V angeschlossen, an (10) kommt die Masse. Die Anzeige der Frequenz des am Eingang (3) anliegenden Signals erfolgt in kHz, im Display steht außerdem “MW”. Da der Empfangsbereich des ELV-Empfängers bis 9,9 MHz reicht, wird das Frequenzdisplay in diesem Modus zur kHz-genauen Anzeige der Empfangsfrequenz des MW- und KW-Bereichs benutzt. Von der gemessenen Oszillatorfrequenz werden automatisch 455 kHz abgezogen, so daß bei dem auch im “XIRICO 2010” angewandten üblichen Konzept mit einer ZF von 455 kHz und über der Empfangsfrequenz liegenden Oszillatorfrequenz die richtige Empfangsfrequenz angezeigt wird.
Die Empfangsfrequenz auf UKW in MHz an Anschluß (2) (hier minus 10,7 MHz) erhält man, wenn die Anschlüsse (4) und (6) auf Massepotential liegen. [Möglicherweise sollen sie eigentlich mit einem gemeinsamen Anschluß für die Bereichsumschaltung verbunden werden - siehe [2] - bei mir geht es aber auch so.]

Für den Einbau benötigt man zunächst einmal eine 3-Volt-Versorgungspannung, die ich mit einem entsprechend beschalteteten LM317 erzeuge, die Eingangspannung für diese kleine Schaltung greife ich an C1212 bzw. XM 1601 ab. An Pin 3 (XM1103) des Empfängerschaltkreises A4100 kann die Oszillatorfrequenz über einen Auskoppelkondensator (unkritisch, bei mir 27 pF) bei AM entnommen werden. Für die Frequenzanzeige auf UKW müssen (4) und (6) des Displaymoduls auf Massepotential gelegt werden. Ich habe dazu nicht benutzte Kontakte des dreistufigen Mehfachumschalters (MW/KW/UKW) in der Stellung für UKW für eine Herstellung der Masseverbindung benutzt (die nicht verwendeten Kontakte sind alle miteinander verbunden - also die Kuperfolie zwischen den Anschlüssen entfernen und neu verdrahten). Das Oszillatorsignal auf UKW gewinne ich, indem ich ein Stück isolierten Drahtes in das abgeschirmte Tunergehäuse in die Öffnung für den Abgleich der Oszillatorspule L7 gesteckt habe - da das Frequenzanzeigemodul außerordentlich empfindlich ist, reicht diese lose Ankopplung.

display3
display4

Ein isoliertes Stück Draht dient zur Auskopplung des Oszillatorsignals auf UKW.

Das Frequenzanzeigedisplay im Gehäuse eingebaut. Da ich vor Jahren mal ein andere Anzeige verwirklichen wollte, ist die Öffnung natürlich zu groß. Das Ganze bekommt aber noch eine neue Verkleidung!

[1] ELV-Kofferadio XIRICO 2010. Bau- und Bedienungsanleitung. [ELV journal 5/91]

[2] Lothar Quietzsch: Display von Weltempfänger als separate Frequenzanzeige nutzen. In: Funkamateur. Heft 11/2005. S. 1130.

(c) Lutz Höll 2007
Letzte Änderung 10.04.2007

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