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Bauvorschläge für einfache
Hochspannungserzeuger
Der erste leistungsfähige Hochspannungserzeuger
war der Funkeninduktor. Er wurde 1851 von Rühmkorff entwickelt
und ermöglichte zahlreiche Entdeckungen bis zum Funkverkehr und
den Röntgenstrahlen.
Zum Bau eines solchen Funkeninduktors gibt es in
der Bastelliteratur zwei gute Anleitungen, von Heinz Richter und
Karl Thöne. Der Nachbau ist aber ein ziemlich aufwendiges
Unterfangen, insbesondere die Wicklung der Sekundärspule. Das
geht viel einfacher mit einer alten Zündspule von einem
Autofriedhof. Das Problem ist dann nur noch die entsprechende
Ansteuerung. Statt der Zündspulen sind aber auch Zeilentrafos
aus alten Fernsehgeräten verwendbar.
1. Die einfachste Möglichkeit ist ein sich selbst
unterbrechendes Relais zu verwenden. Die Ergebnisse hängen von
den mechanischen Eigenschaften des verwendeten Relais ab. Es
lassen sich im Idealfall gut 2 cm lange Funken damit erzeugen.
Wichtig ist hierbei der Kondensator, der ca. 1µF haben sollte.
Zum Betrieb ist wegen der erforderlichen Stromstärke von ca. 5
Ampere ein 12 Volt Akkumulator oder ein Netzteil aus
Transformator mit Brückengleichrichter und 4700 µF Kondensator
zu empfehlen.
Die Funktion ist einfach. Beim Einschalten ist der
Stromkreis durch Spule und Relais geschlossen, das Relais zieht
also an. Beim Schließen des Kontaktes wird das Relais stromlos,
wobei der volle Strom durch die Primärwicklung der Zündspule
fließt, da der Widerstand der Relaisspule wegfällt. Durch den
Kurzschluss an der Relaisspule wird der Relaiskontakt sofort
wieder losgelassen und der Zündspulenstrom durch die jetzt
wieder dazwischengeschaltete Relaisspule schlagartig vermindert.
Damit bestehen die Ausgangsverhältnisse wieder und das Ganze
wiederholt sich immer fort.
Die Schaltung funktioniert sehr zuverlässig, ich
habe sie mit verschiedenen Relais und Kondensatoren ausprobiert,
irgendwie hat es immer geklappt.
HSG-1
2. Diese
Schaltung arbeitet mit zwei komplementären Leistungstransistoren,
am besten 2955 (pnp) und 3055 (npn), wobei der pnp Typ den npn
mit einer von der Kondensator-Widerstände Kombination
abhängigen Frequenz durchsteuert, wodurch die Zündspule ihre
Stromimpulse erhält. Die Funkenlänge ist etwas kürzer als beim
HSG-1 oder 3, aber der Sekundärstrom ist relativ hoch, so dass
dünne Elektroden an der Funkenstrecke regelrecht abbrennen. Die
Transistoren müssen von einander isoliert unbedingt auf große
Kühlkörper montiert werden, da sie beim Betrieb sehr heiß
werden. Auch hier wird ein Netzteil mit mindestens 5 Ampere
benötigt.

HSG-2
3. Am leistungsfähigsten ist eine netzbetriebene
Schaltung mit einem Thyristor und antiparallel geschalteter Diode.
Über die Diode wird ein Kondensator auf den Scheitelwert der
Netzspannung geladen. Bei der Stromumkehr setzt jetzt, da der
Kondensator sich über den Thyristor nicht entladen kann, eine
Spannungserhöhung ein. Mit dem Potentiometer bzw. Trimmer lässt
sich ein Wert einstellen, bei dem der erforderliche Gatestrom zum
Zünden des Thyristors über den Schutzwiderstand erreicht ist.
Dann wird der Kondensator schlagartig entladen, was auf der
Sekundärseite der Zündspule zur Erzeugung von
Hochspannungsimpulsen mit der Netzfrequenz 50 Hertz führt. Damit
nach dem Abschalten auf dem Kondensator keine unangenehme Ladung
verbleibt, wird ihm ein Entladewiderstand von mindestens 100
Kiloohm bis 1 Megohm parallelgeschaltet.
HSG-3
Wenn ein D-Typ Thyristor mit 400 Volt
Spannungsfestigkeit (z.B. TIC 106 D) verwendet wird, kann es sein,
dass das Ganze bereits schon ohne Potentiometer mit
Schutzwiderstand funktioniert. Die Spannungsfestigkeit ist der
Wert der Mindestspannung, bis zu der der Thyristor normal
arbeitet; darüber zündet er auch ohne Gateansteuerung. Und
genau diesen Effekt kann man in hier ausnutzen. Die Steuerung
besteht dann nur aus Thyristor mit antiparalleler Diode, das Gate
bleibt frei. Die meisten D-Typen halten deutlich mehr als 400
Volt aus, einige zünden aber zuverlässig unterhalb der bei der
Spannungsverdopplung erreichbaren 630 Volt. Die M-Typen (600 Volt
Spannungsfestigkeit) benötigen immer die zusätzliche
Beschaltung mit Potentiometer und Schutzwiderstand.
Es lohnt sich beim Aufbau zunächst Poti und
Schutzwiderstand für das Gate wegzulassen und zu probieren , ob
die Schaltung arbeitet. Wenn ja – o.k.; wenn nicht –
Poti und Widerstand zufügen. Beim TIC 106 D könnte die
Einstellung wegen des sehr niedrigen Gatestroms (0,2 mA)
Schwierigkeiten bereiten, die jedoch beim Wechsel des Potis auf
einen anderen Wert z. B. 220 Kiloohm behoben sind. Die Schaltung
funktioniert absolut sicher, ich habe bei mehreren verschiedenen
mir zur Verfügung stehenden handelsüblichen Thyristoren (und
auch TRIACs) Potieinstellungen zum Zünden gefunden. Für die
Werte des Gateschutzwiderstandes gibt des einen großen Spielraum
von ca. 2 Kiloohm aufwärts. Das Poti ist ebenfalls
unproblematisch, allerdings fließt bei Werten kleiner als 100
Kiloohm ein nicht unerheblicher Strom, der das Poti je nach
Belastbarkeit ziemlich erwärmen kann. Aus gleichem Grund sollte
auch der Entladewiderstand für den Kondensator mindestens 100
Kiloohm betragen. Wer mag, kann sich durch Rechnungen Gewissheit
über die Belastung und erforderliche Mindestwerte verschaffen.
Die erforderlichen Gateströme der Thyristoren sind leicht zu
erfahren.
„economy“Version aus lediglich Thyristor/Diode
Kombination
Abschließend ist noch zu bemerken, dass die
Schaltung (allerdings nicht die „economy“-Version aus
nur Diode und Thyristor) auch funktioniert, wenn statt der
antiparallelen Diode/Thyristor-Kombination ein TRIAC verwendet
wird. Es werden dann beide Halbwellen optimal genutzt und die
Frequenz der Funken liegt bei 100 Hertz. Ich habe allerdings
beobachtet, dass das Poti oder Trimmer gelegentlich beim
Einschalten neu eingestellt muss.
Für alle genannten netzbetriebenen Schaltungen
gilt:
Die Zündspule wird bezüglich ihren
inneren Isolation in Abhängigkeit von dem verwendeten
Kondensator maximal gefordert. Nie mehr als 1µF verwenden und nicht unbedingt versuchen die
maximale Funkenschlagweite zu bestimmen. Es passiert dann meist,
dass die Funkenüberschläge künftig im Innern der Zündspule
stattfinden.
Nie an der
Funkenstrecke arbeiten, solange der Netzstecker nicht gezogen ist
!!!
Zum Schluss noch die Variante mit der
höchsten Spannung:
Alle oben beschriebenen Schaltungen
funktionieren auch, wenn man statt einer Zündspule zwei
antiparallel geschaltete verwendete, indem je Klemme 1 mit Klemme
15 an den Primärseiten verbunden wird. Die beiden Sekundärpole
(Klemmen 4) gehen dann zu der Funkenstrecke.
Mein längster erzeugter Funke hatte eine
Länge von 13,4 cm.
Noch einige praktische Tips zum Aufbau:
Als Funkenstrecke eignen sich hervorragend
etwas längere Nähnadeln, zur Not aber auch 1,5 mm² starke
blanke Kupferdrähte. Letztere sind bekanntlich in der üblichen
Installationsleitung enthalten. Für die höheren Ströme, die
auf der Hochspannungsseite beim HSG-2 aber auch schon beim HSG-1
fließen ist es besser, wenn die Funkenstrecke aus den Kontakten
eines zerlegten Netzsteckers gebildet werden. Diese werden dann
einfach statt an eine Leitung auf die Kupferdrähte geschraubt.
Die Montage erfolgt am besten auf kleinen
Holzbrettchen, die es als Abfallstücke meist kostenlos bei
Baumärkten gibt. Dort erhält man auch billige verzinkte
Viellochwinkel, in die das Poti eingeschraubt werden kann. Die
Hochspannungselektroden werden in Polklemmen mit Querloch
festgeschraubt.
Sollten die Hochspannungskabel der
Zündspulen vom Autofriedhof schon etwas „verwest“ sein,
kann man S-förmig aufgebogene kupferne Büroklammern verwendet
werden. Diese werden an Polklemmen mit Querloch angeschlossen,
die dann die Funkenstrecke aufnehmen. Diese wiederum können an
kleinen Messingwinkeln, ebenfalls günstig aus dem Baumarkt,
befestigt werden.
Die Zündspulen haben drei Anschlüsse.
Klemme 1 ist der gemeinsame Anschluss für die Primär- und
Sekundärwicklung. Klemme 15 ist der Eingang, an den das Relais,
der Collector des 3055 bzw. der 1 µF Kondensator beim HSG-3
angeschlossen wird. Klemme 4 ist der besonders isolierte
Hochspannungsausgang in der Mitte.
Falls es an den Anschlüssen der Zündspule zu
Funkenüberschlägen kommt, ist dies ein Hinweis die
Funkenstrecke enger zu machen. Besser die Überschläge an den
Zündspulenelektroden als im Inneren der Spule.
Mein alter HSG-3 (b)
Zeilentrafo mit HSG-3 Ansteuerung
Mein selbstgebauter Funkeninduktor mit
„economy“-Steuerung
Hochspannungserzeuger
mit Zeilentransformatoren und HSG 3 Schaltung
Mein erster
Teslatransformator nach einer Anleitung von Karl Thöne
Röntgenröhre
aus der Zeit der Jahrhundertwende - - -Röntgenstrahlen lassen
das Glas fluoreszieren
alte und
moderne Röntgenröhre
Hochspannungstrafo
aus einer Ölheizungsanlage
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