Titanex V160s Ein Erfahrungsbericht zum Aufbau und Betrieb der Antenne
Nach vielen positiven Erfahrungen mit selbst gebauten GP Antennen für 80m/40m nach Prof. Dr.-Ing. Gerd Janzen (DF6SJ), gemeint sind GP-Antennen, die ca. 4m über Grund betrieben werden, mit nur 4 Radials auskommen und einen höheren Gewinn wegen ihrer flacheren Abstrahlung gegenüber einer ebenerdig aufgebauten Groundplan haben, suchte ich nach Möglichkeiten, eine derartige Antenne für 160m zu erstellen. (Literatur: Monobandantennen und Vertikalantennen, Janzen, ISBN 3-88006-178-5)
Platz ist hier genug vorhanden – einzig das Alu-Rohr-Material fehlt.
Ein guter Kompromiss schien mir die GP von Titanex. Sie kann über eine Anpassbox auch auf 80m und 40m betrieben werden. Also könnten die vorhandenen GP´s für 80m und 40m abbaut werden. Berichte von DX-Expeditionen zeugen von gutem Erfahrungen mit den Titanex Verticals..
Mehr aus Kostengründen wählte
ich die V160s mit einem entsprechendem Anpassgerät. Das s
hinter dem V160 steht für Station – ich ging davon aus,
dass die Antenne entprechend solide für lange Jahre konzipiert
ist. Trotzdem ist die Vertical mit rund 1000 Euro ein teures
Vergnügen.......
Entsprechendes Alu selbst zu beschaffen ist
aber auch teuer – ebenso konnte mir niemand bestimmte Sorten
von Titan-Alu-Legierungen für Antennenkonstruktionen empfehlen.
Eine telefonische Bestellung bei Titanex schlug fehl: Entweder wurde nicht abgenommen oder es war besetzt. Ein Bestellung per e-mail wurde bestätigt – allerdings nicht die Modalitäten und auch kein Termin. Lieferung später, derzeit alles ausgelastet, später dann: Material fehlt... kommt später ..... Es zog sich über Wochen hin.
Dann habe ich offiziell per e-mail storniert und bei Appello (www.appello.de) in Salzhausen bestellt. Innerhalb von 1,5 Wochen wurde geliefert – direkt von Titanex!
Die Antenne kam sehr gut verpackt an, das Material begeistert – zunächst. Alles vollständig.
Mit ca. 28m Höhe ist die Antenne
nicht gerade niedlich klein, besonders wenn sie 4m bis 5m über
Grund aufgebaut werden soll.
Es muss schon ein solider Sockel mit
Kippgelenkt erstellt werden, um sie überhaupt errichten zu
können. Diesen Sockel und Kippgelenk mit Winde hatte ich in der
„Titanex-Wartezeit“ erstellt und so konnte ich gemäß
der beigefügten Bauanleitung zügig beginnen, Anpasstopf,
Steuergerät und den Strahler der Antenne zu montieren. Alles
passte ausgezeichnet!
Was mir sofort auffiel: Das Rohr ist sehr leicht (positiv), aber auch dünnwandig, daher biegt es sich aber auch sehr leicht durch – vielleicht eine gute elastischen Eigenschaft. Das einzelne Rohr kaum, wohl aber über die Länge gesehen (negativ). Irgendwann bekam ich das mulmige Gefühl, dass ich solch eine Antenne wohl alleine niemals in 4m Höhe aufrichten könne. Grundsätzlich baue ich nämlich meine Antennen alleine auf..........!
Titanex
sieht in 2 Ebenen mindestens 3 Abspannungen (in 3 Richtungen) vor.
Die oberen 9m sind (angeblich) sehr elastisch und halten starken Wind aus. Sie sollten laut beigefügter Beschreibung NICHT abgespannt werden.
Mißtrauisch plante ich 4 Abspannungen in (4 Richtungen), schließlich würde die Antenne im norddeutschen Flachland den Stürmen der Nordseeküste ungeschützt ausgesetzt sein. Dieses gilt auch für den Standort hier: mitten in einem riesigem ebenen Moorgebiet. Es gibt keinen Windschutz für die Antennen in einem Radius von 10km um die Antenne herum.....
Außerdem
plante ich doch zunächst eine 3.Abspannung in 25m Höhe,
denn ich traute der vorgesehenen Technik von Titanex nicht: die
oberen 9m werden nur 10cm (waren es soviel?) in das nächst
dickere Rohr eingeschoben.
Vorsichtshalber mailte ich Titanex an.
Zu meinem Erstaunen kam umgehend eine Antwort: es sei alles von
Ingenieuren berechnet, es gibt Erfahrungswerte und aus
Sicherheitsgründen möge ich mich an die Vorgaben halten.
Die 9m sind frei schwingend anzubringen.
Ich blieb bei meinem
Plan, in einer dritten Ebene in ca. 25m Höhe die Antennen
abzufangen.
Nach dem ersten Sturm wusste ich, dass auch diese oberste Abspannebene unbedingt stramm abgespannt sein sollte! (Siehe unten)
Titanex liefert für die Abspannungen 2mm dickes Kevlar Kunststoffseil mit. Nach Erfahrungen eines anderen Funkamateurs aus Aurich, kann dieses Band aber bei starker Verbiegung der Antenne im Orkan/Sturm zerreißen, wenn es ruckartig durch Verspannen der Antenne belastet wird!
Da ohnehin nur 100m 2mm dickes Kevla-Seil geliefert wurde, habe ich für die 1.Abspannebene 6mm Seglerschnur besorgt und 3mm für die 2. Abspannebene. Das Seegarn hatte sich zuvor an meiner alten 80m GP über Jahre bewährt. Es dehnt sich zwar etwas mehr als Kevlar, fängt dafür aber auch heftiges schlagartiges Reißen weicher ab!
Was mir bei weiterer Installation von
Titanex nicht gefiel: es sind keinerlei Isolatoren an den
Abspannseilen vorgesehen.
Klar, Kunststoffleinen isolieren sehr
gut - nur was ist, wenn solch eine Antenne in Bereichen salzhaltiger
Luft, also in Meeresnähe aufgebaut wird und relativ hohe
Sendeleistungen genutzt werden? Das Salz setzt sich in und an den
(geflochteten) Kunststoffseilen ab – es kann im Laufe der Jahre
zu Überschlägen kommen. Also habe ich vorsorglich noch in
jedes Abspannseil ein Isolierei eingefügt.
Irgendwann kam der erste Aufbauversuch:
Der untere Teil der GP stand schon nahezu Senkrecht, da liegt der hinter Teil der Antenne noch auf dem Boden! Und der erste Abspannunpunkt (von Titanex in 10m Höhe vorgesehen), über den die Antenne weiter hochgezogen werden soll, ist niedriger als der höchste Bogenpunkt! Ein Hochziehen des Strahlers ist somit nicht möglich!
Ich
befürchtete zudem, das untere Rohr würde abknicken. Tat es
aber nicht. Und verbogen hat es sich auch nicht. Ich musste einsehen,
dass sich so die Antenne nicht in 4 bis 5m Höhe aufrichten
lässt.
Ein Aufbau, wie von Titanex vorgesehen, auf dem
Erdboden, kam für mich aber nicht in Frage: Ich möchte
nicht 1 bis 3db verlieren, die eine ebenerdiger Aufbau selbst bei
hoher Radialanzahl nach sich zieht und überhaupt, die
Pferdekoppel lässt ein Radialnetzwerk – selbst etwas
eingegraben – ohnehin nicht zu.
Ich
entschloss mich, noch eine untere, vierte Abspannebene einzurichten.
Und zwar so, dass sie sich bei aufgerichteter Antenne in etwa 10m
Höhe befindet. Und ich könnte die Antenne über diesen
Punkt hochziehen. Eine richtige und wichtige Entscheidung, wie sich
später zeigte. Über diese zusätzliche Abspannung
konnte ich ohne viel Kraft den Mast hochziehen und später dann
über die anderen Ebenen-Abspannseile. Notwendig dabei: absolute
Windstille und Absichern des Mastes gegen seitliches Ausschwenken!
Trotzdem
bogen sich die Rohre gefährlich und irgendwie sah alles nach
Abknicken aus.... Aber es passierte nichts!
Nach dem Montieren von 4 Radials (je
42m lang in 4m Höhe), war klar, dass die von Titanex
vorgegebenen Abstimmpunkte an der dicken Spule in der Anpaßbox
nicht mehr stimmen konnten. Dennoch war es recht einfach, die
Resonanz für jedes Band einzustellen und erstmal Feierabend zu
machen.
Schon beim wohlverdientem Bierchen am Abend bemerkte ich,
das die Antenne auf 160m und 80m ausgezeichnet funktioniert. Meine
alte single-Band 80m GP (ebenfalls nach Janzen) war nicht besser und
der Eindruck auf 160m überzeugte absolut!
Aber es fiel dem
erfahrenem Ohr auch auf, dass DX-Stationen auf 40m im Vergleich zu
der noch vorhandenen single-Band GP für 40m nahezu eine S-Stufe
schwächer sind! Warum?
In Sachen DX meine ich … Das
Ding strahlt offenbar deutlich nach oben. Obwohl es aber auch möglich
war, DX auf 40m mit der V160s zu werkeln.
In den folgenden Tagen
habe ich dann nacheinander zum Versuch je 4 Radials für 40m und
80m installiert (4m hoch, 11m bzw. 21m lang). Sie brachten keinerlei
Verbesserungen oder Änderungen der Abstrahlung auf diesen
Bändern. Jedes mal musste ich natürlich die Anpassbox
nachgleichen ...alles kein Problem.
Bin dabei wohl etliche Kilometer gelaufen, da die Antenne rund 200m vom Haus entfernt steht... und dann jedes mal die 5m Leiter rauf zur Anpassbox. Vorteil: mindestens 2 kg weniger Körpergewicht ..
Letztendlich habe ich es bei 5 Radials (je 41m lang für 160m) belassen. Erst jedes Radials einzelnd abgeglichen, dann das Gesamtsystem. Die Zeit dafür sollte man sich schon nehmen .....
80m funktioniert ausgezeichnet und auch auf 40m kann man die Antenne nutzen. Allerdings ist die alte single-40m-GP besser ..und die habe ich nun natürlich nicht abgebaut.
Im ersten Gewittersturm und später bei den ersten Winterstürmen zeigte sich, dass die Abspannungen die Antenne gut halten.
Bei einem Sturm mit mehr als 100km/h
musste allerdings die Erfahrung machen, dass die seinerzeit NICHT
stramme zusätzliche obere Abspannebene die oberen 9m der Antenne
nicht halten können!
Die letzten 8m Rohr der Antenne lagen
plötzlich waagerecht im Sturm und haben im untersten Meter Rohr
einen deutlich sichtbaren „runden Knick“ hinterlassen!
Offenbar ist es mit der Elastizität des Rohres bei extremen
Windstärken doch nicht weit her ….schön, dass das
Rohr nicht abgeknickt ist!
Es ist wichtig, die Abspannungen stramm
zu halten, so wie es Titanex betont!
Die Aussage von Titanex, die
oberen 9m Rohr sei sehr elastisch und könne schwere Stürme
trotzen, ist aber schlicht falsch! Es ist zwar nicht abgeknickt, hat
aber nach dem hochziehen (das war zum Glück noch möglich)
einen bleibenden Bogen erhalten!
Das
Bild belegt eindeutig, dass die oberen 9m nochmals abgespannt werden
müssen! Die oberen 9m sollten sich in keinem Fall frei bewegen
können! Im Laufe der folgenden Zeit habe ich die Antenne
allmählich wieder senkrecht hochgezogen. Es ist trotzdem ein
bleibender Knick zu sehen.
Im starken Wind ist die Antenne
übrigens laut (starke Windgeräusche) - aber was mich
wirklich stört:
zwischen den Abspannebenen verbiegt sich das
Rohr bei starken Windböen stark Es sieht dann so aus, als ob
dann die Abspannseile die Antenne zusätzlich herunter ziehen.
Grund dürfte das an sich zu dünne Rohr sein - es scheint
aber elastisch genug, die Stabilität zu gewährleisten.
Vielleicht bin ich aber auch ein wenig zu ängstlich ….....
Schon ein paar Tage nach Inbetriebnahme
der Antenne stieg während eines QSO die Endstufe aus – war
die Antenne nicht mehr dran? SWR unendlich!
Deutlich waren nach
dem Öffnen der Anpassbox Schmauchspuren zu riechen und eine
Brandstelle zu sehen: Titanex hatte den Draht von der Antenne zu den
Spulen und Kondensatoren direkt neben dem Draht der Masseleitung zum
Koaxkabel gelegt! Zwischen beiden Drähten entsteht wegen der
hochohmigen Antenne natürlich eine sehr hohe Spannung. Beide
Drähte sind regelrecht verschweißt, die
Kunststoffisolierung verbrannt!
Ich schrieb der Firma Titanex ein
Mail in Sachen „professioneller Ausführung von
elektrischen Anlagen“ und habe selbstverständlich keine
Antwort oder Entschuldigung erhalten. Dabei soll die Anpassbox 5 kW
Leistung vertragen …! Ich hatte längst nicht soviel
benutzt!
Natürlich hätte ich die Matchbox auch nach Appello einschicken können. Bisher habe ich nur gute Erfahrungen mit dieser Firma gemacht – nur war die Reparatur doch flott selber zu erledigen und sie stand mir sofort wieder zur Verfügung.
Ansonsten habe ich einige Wochen später die Abspannungspunkte der Antenne deutlich weiter nach außen verlegt. Im starken Wind scheint sie nun besser zu stehen.
Abschließen möchte ich
darauf hinweisen, dass man nur das Arbeiten kann, was man auch hören
kann. Mit einer GP hört man nicht wirklich gut. Selbst mit
bestem TRX. Dieses gilt besonders für 160m
Ich empfehle
daher bei solch großen Antennensystemen, wie dieser V160s GP,
unbedingt Beverage-Antennen zum Empfang aufzubauen! Natürlich
tut es eine K9AY auch ….
Eine (viel zu) kurze Beverage bringt meinen Erfahrungen nach meistens immer noch bessere DX-Empfangsergebnisse als eine wirklich sehr gut funktionierende GP !!
Es
gäbe noch einiges mehr zu berichten ….mache ich gern auf
Anfrage. Zum Beispiel zum Thema Blitzschutz, Erden? ..etc.
Über kurze Anmerkungen oder Fragen zu diesem Bericht oder Antenne per e-mail an dl8qs@darc.de würde ich mich freuen.