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Umbau eines AFE12 zum QRP-Transceiver

Projekt von 1994




In der ehemaligen DDR wurde ab 1986 der Amateurfunkempfänger AFE 12 für knapp 500 Mark angeboten. Er war für das 80- und 160m-Band ausgelegt, hatte dreikreisige nachstimmbare Eingangsfilter mit hochwertigen Schalenkernspulen, ein mechanisches Filter mit 2,7 kHz Bandbreite und einen Quarz-BFO.

Die ZF betrug wegen des mechanischen Filters 200 kHz. Trotz dieser niedrigen Frequenz gab es in beiden Bändern kaum Probleme mit Spiegelfrequenzempfang. Der Preselektor musste manuell nachgestimmt werden.

Im Empfänger wurden 3 integrierte Schaltkreise eingesetzt: ein A244 als regelbare Vorstufe, Mischer und ZF-Verstärker mit automatischer Verstärkungsreglung, ein A220 als Produktdetektor und BFO und ein A211 als NF-Verstärker. Dazu gab es ein für damalige Verhältnisse sehr ansprechendes Gehäuse mit Feintrieb und Skala für den VFO-Drehkondensator. Das Gehäuse bot viel Platz für Erweiterungen.


bei mir noch vorhandene ZF/NF-Platine


Die Platine ist bereits mit den zum Transceiverumbau erforderlichen Bauteilen bestückt. Nach Erweiterung mit den zusätzlichen Bauteilen (Großansicht) sollte es keinerlei Beeinträchtigungen beim Empfang geben.

Transceiverumbau


Die erweiterte ZF/NF-Platine wird wieder ins Gehäuse eingebaut und alle Verbindungen werden wie bisher hergestellt.

Am Anschluss "Mod." wird ein niederfrequentes Tonsignal angelegt, z.B. das Ausgangssignal eines Mikrofonverstärkers. Es gelangt an Pin 9 des Schaltkreises A220, der als Balancemodulator arbeitet.

Das dort entstandene DSB-Signal (Double-Side-Band) wird dem Filter zugeführt, an dessen Ausgang dann das SSB-Signal (Single-Side-Band) zur Verfügung steht. Am Anschluss "ESB" kann es abgegriffen werden.

Für erste Versuche wird 12V an "+TX" angelegt. Das Relais zieht an und schaltet das mechanische Filter in den Sendeweg.

Zur Unterdrückung der 200 kHz-Trägerfrequenz ist noch ein Abgleich des Spindeltrimmer (47k) erforderlich. Man schließt dazu ein Oszilloskop oder einen CW-Empfänger an den ESB-Anschluss an. Ohne Modulation wird dann der Spindeltrimmer so abgeglichen, dass die 200 kHz-Trägerfrequenz auf dem Oszilloskop am geringsten ist.

Verwendet man einen Empfänger dazu, muss dieser den Empfangsbereich von 200 kHz (Langwelle) erfassen und CW/SSB-tauglich sein (BFO). Er wird mit dem ESB-Anschluss verbunden und so eingestellt, dass der 200 kHz-Träger zu hören ist. Anschließend gleicht man wie oben auf maximale Trägerunterdrückung ab.

Schließt man danach am "Mod"-Eingang einen Mikrofonverstärker an, kann man die eigene Sprache als SSB-Signal empfangen - ein erstes Erfolgserlebnis :-)
Bei mir kommt ein zweistufiger Transistorverstärker zum Einsatz, der mit einer HS-60-Kapsel max. 50mV liefert. Besser wären Verstärker mit Höhenanhebung und Dynamikkompressor.

Am 200kHz-Anschluss steht das Tastsignal für CW zur Verfügung.

Äquivalent zum AFE-12 wurde damals als "Devisenbringer" der Transceiverbausatz ASE 1302 in der Bundesrepublik vertrieben. Er war für 80- und 40m ausgelegt und hatte eine 10 Watt-Endstufe.

  Schaltplan AFE12.1

  Schaltplan AFE12.2

  Schaltplan AFE12.3

  Platine Eingangsteil

  ZF/NF_Platine




Draufsicht AFS12

Nicht wesentlich schwieriger war die Mischung des Sendesignals. Sie erfolgte genauso wie die des DSB-Signals auf der ZF-Platine: mit einem A220, der auch als Balancemischer beschaltet wurde. Als Verstärker wurde an dessen Ausgang ein SF128 eingesetzt. Dieses einfache Umbaukonzept stammte von W.Jahnke, damals Y37LO.

Mit GBR 111-Relais wurde die Umschaltung der Bandfilter für 160- und 80m in den Sendezweig realisiert. Eine selektiver Verstärker für 200 kHz diente als Taststufe. Zum Mithören schliff ich das Signal eines 1 kHz Tongenerator in den NF-Zweig ein.

Nach dem Bandfilter folgten im Sendezweig Treiber und PA. Die hab ich seiner Zeit mit einem KT610A und einem KT920A aufgebaut. Diese heute noch beim "Funkamateur Leserservice" erhältlichen russischen Transistoren erzeugen bis zu 3 Watt HF.



PA des AFS12

Eine Besonderheit des Empfängers ist das CW-Filter. Es ist ebenfalls ein mechanisches Filter mit 500 Hz Bandbreite. Da es für eine Mittenfrequenz von genau 200 kHz ausgelegt ist, musste bei Empfang ein zweites Quarz von 201 kHz zugeschaltet werden. Die Umschaltung erfolgt per Relais. Bei einem Filter des Typs MF200.850-0050 wäre dieser Aufwand nicht nötig. Solche Filter sind allerdings seit eh und je Mangelware und gehören zu den absolutem Raritäten. So mancher Besitzer eines ASE1302 oder einer SEG-15D könnte sein Gerät damit erweitern.

Apropos, ein ASE 1302 fehlt auch noch in meiner Sammlung.


Schaltung Sendemischer, Filter, Mithörton


Bestückung Sendemischer, Filter, Mithörton


Layout Sendemischer, Filter, Mithörton


Schaltung PA


Bestückung PA


Layout PA


Spannungsregler


Relaisplatine


Verkabelung

Das Gerät wurde seit seiner Entstehung 1994 nicht mehr verändert. Auf die Beschreibung der anderen Baugruppen verzichte ich hier, da es auf veraltetem Stand- und zum Nachbau nur noch bedingt geeignet ist.

Neustadt, 28.08.2011
DL8WIG


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