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Die Anfänge des Amateurfunks bei DL8WIG


Elektronik und Funktechnik fasziniert mich ungefähr seit dem 10. Lebensjahr. Aus der Bibliothek meiner Heimatstadt Großalsleben hatte ich so ziemlich alles dazu gelesen. Literatur wie "Mit Logbuch Call und Funkstation" von Martin Selber ist mir noch heute bestens in Erinnerung. Der erste Detektorempfänger wurde gebaut und erfolgreich zum Geradeausempfänger erweitert.
Beruflich schlug ich einen anderen Weg ein, doch Elektronikbasteln blieb Hobby Nr.1.

1985 kam ich mit Ri und Tute zusammen, die damals schon ihre ersten Eigenbauempfänger für 80m präsentieren konnten. Ri, heute DK3XC, vermachte mir Ende 1985 seinen VEF206, ein russisches Kofferradio für Mittel - Lang und Kurzwelle. Der Kurzwellenbereich umfasste alle Rundfunkbänder und schloss viele Amateurfunkbänder ein. Ri hatte einen zusätzlichen Überlagerungsoszillator (BFO) für SSB und Telegrafie eingebaut. Mit der Teleskopantenne konnte man damit viele europäischen Stationen empfangen und manchmal sogar DX. Das war also der Anfang, unzählige Abende unterm Kopfhörer oder am Lötkolben folgten.


Erste Station Ende 1985: links Empfänger VEF206, rechst oben Antennenanpassgerät,
darunter Indikator für Feldstärke und unten das Netzteil - das Ganze auf einem Campingtisch im Schlafzimmer...
.


Die Antenne wurde um einige Meter Draht erweitert, die ich im Schlafzimmer verlegte. Damals gab es kaum lokales QRN. Durch ein selbstgebautes Pi-Filter verbesserte sich der Empfang merklich.
Der Empfänger war aber auch handempfindlich, besonderes Fingerspitzengefühl brauchte man beim Einstellen von SSB-Stationen auf 15 und 10m. Wenn man dann die Hand vom Knopf nahm, war das Signal oft unverständlich.

Ein neuer Empfänger - das erste Eigenbaugerät



Was Besseres musste her, aber fertige Geräte gab es damals nicht zu kaufen. Den ersten "AFE12" sah ich erst zwei Jahre später in einem Geschäfte in Halle (Saale). Nur selten wurden gebrauchte Empfänger wie Dabendorf, Erfurt oder EKV angeboten und wenn, dann zu unerschwinglichen Preisen. Wer so ein Gerät besaß, gab es nicht mehr her.

Die Empfänger von Ri und Tute waren mir damals zu komplex und die Beschaffung der Schaltkreise, Piezo- und Spulenfilter schien eine unüberwindbare Hürde zu sein. Es gab keinen Reichelt oder Conrad, bei denen man sich Bauelemente bestellen konnte.

Also suchte ich nach einer einfachen Schaltung die mit geringen Bauelementeaufwand realisierbar war. Meine Teile stammten überwiegend aus ausgeschlachteten Geräten.
In einem Buch "Junge Funkpeilwettkämpfer" von Hans Dülge (Band23 von 1979) fand ich dann die Lösung für den ersten Eigenbauempfänger.



Es handelte sich um einen 80m-Fuchsjagdempfänger nach dem Direktmischverfahren. Bei der Fuchsjagd muss eine Ferritantenne ausreichen, um die schwachen Signale weit entfernter Sender zu empfangen. Aus der Praxis wusste ich, dass man mit solchen Geräten sogar Amateurfunkstationen im 80m-Band hören kann - eine Ferritantenne ist ausreichend.

Also suchte ich mir die Bauteile aus der Bastelkiste zusammen und was noch fehlte, holte ich mir von Fred, der damals HiFi-Verstärker baute und noch keinen Draht zur Funkerei hatte. Sein Call ist heute DL3FRE.

Mit Kanüle und Abdecklack zeichnete ich die Platine meines ersten Empängers, es war überhaupt die ertse Platine meines Lebens - etliche würden ihr folgen. Ätzen, bohren und bestücken, was mit den ausgeschlachteten Bauelementen nicht immer leicht war, weil die Abmaße sehr von der Vorlage abwichen.

Die FET-Vorstufe fehlte noch, weil der SM103 nicht beschaffbar war. Deshalb schloss ich den Eingangskreis direkt an der Mischstufe an. Nach dem ersten Einschalten konnte ich alles Mögliche empfangen, nur keine Amateurfunksignale. Es stellte sich heraus, dass der Eingangskreis nicht richtig angeschlossen- und der Empfänger breit wie ein Scheunentor war. Es wurde alles demoduliert, was die Drahtantenne aufnehmen-, bzw. der Mischer verarbeiten konnte und das war soviel, dass man vor lauter Gebrabbel und Gepfeife nichts mehr verstehen konnte. Aber die wichtigsten Komponenten des Empfängers funktionierten !

Nachdem der Fehler behoben war, mussten Eingangskreis und Oszillator abgeglichen werden. Ri stellte mir dazu sein selbst gebautes Dipmeter zur Verfügung. Mit meinem VEF206 hörte ich außerdem den Oszillator ab, der ja bei Direktmischern auf Empfangsfrequenz schwingt.

Nach erfolgreichem Abgleich konnte ich mich am 80m-Empfang erfreuen, der mit diesem kleinen Gerätchen um Welten besser war, als mit dem VEF. Noch besser wurde er, nachdem auch der FET mit dem SM103 nachgerüstet werden konnte.

Leider schlachtete ich diesen Empfänger später wieder aus, weil die Bauteile für ein neues Projekt benötigt wurden. So war das halt - damals, in den mittellosen Anfangszeiten. Aber ich bin fest entschlossen, dieses erste Projekt irgendwann wieder aufleben zu lassen.


Erster 80m Direktmischempfänger 5/1986

Zweiter Empfänger



Der Zweite, ein 80m Eigenbauempfänger mit 20m Konverter von 11/1986

Dabei handelte es sich um einen einfachen Superhetempfänger mit 455 kHz ZF. Als Vorlage diente der "Pionier SH80" Außer dem NF-Verstärker (A211) waren alle Stufen transistorisiert, was mir damals sehr entgegen kam. Ich erweiterete die Platine für ein 3-kreisiges Eingangsfilter mit FET-Verstärker. Eingangskreise und VFO wurden mit einem 4-fach Drehkondensator abgestimmt.




Schaltung des "Pionier SH80" nach K.Raban Y28PL aus "Funkamateur" 11/85


Zum Einsatz kam das Kompaktfilter SFP455H5, ein 6-kreisiges Piezofilter, dass bei einer Mittenfrequenz von 455 kHz +/- 1,5 ein 3dB-Bandbreite von 5 kHz hatte. Man erreichte damit gute Ergebnisse - im Gegensatz zu den Vorgängern wie "Pionier 5" oder "Pionier 83", wo die Selektionseigenschaften stark von der exemplarbedingten Toleranz der beiden Piezo-Zweikreisfilter abhing.

Konverter Pionier 6




Mit einem Konverter, dem "Pionier 6" aus dem Buch "Station für KW-Empfangsamateure" von Ernst Fischer aus dem Jahr 1980, wurde der Empfänger für das 20m-Band erweitert.


Station Ende 1986

Empfänger "Pionier 83" für 20m


Anfang 1987 machte ich erste Versuche mit dem A244, einem Empfänger-IC für AM, baugleich mit dem TCA440. Nachgebaut wurde der "Pionier 83", ein Einfachsuper mit 455 kHz ZF.
Im Gegensatz zum Original des "Funkamateur" wurde er für das 20m-Band konzipiert und mit einem Piezo-H5-Kompaktfilter ausgestattet. Die Leiterplatte ist von Hand gemacht und die Änderungen sind mit Bleistift nachgezeichnet.

Wenn ich das gute Stück so sehe, kommt es mir wie ein seltener Fund aus längst vergangen Zeiten vor... dabei hab ich es vor 24 Jahren selbst gebaut... das ist immerhin fast ein viertel Jahrhundert her.

Dieses Gerät ist das Einzige, dass aus den Anfängen meiner Bastelzeit noch erhalten ist. Inzwischen konnte es wieder zum Leben erweckt werden.


SH83 für 20m mit H5-Filter, Anfang 1987 gebaut



der Drehkondensator stimmt die 2 Eingangskreise (rechts) und den VFO ab. Die ZF-Kreise und der BFO
sind mit StB-Filtern für 455 kHz bestückt. Sie sind mit Alubechern und Ferrithülsen geschirmt.
Das H5-Filter (blau) und der A244 sind auch gut zu erkennen. Der rote Punkt auf dem A244 steht für
einen "Basteltyp" der außerhalb der Toleranz liegt.



die damals mit Kanülle und Abdecklack von Hand gezeichneten Leiterzüge sind zwar nicht schön,
erfüllen aber ihren Zweck



Schaltung des SH83 nach J.Hermsdorf Y23JN aus "Funkamateur"12/84


Der "Pionier 83" sowie der "Pionier SH80" sind Weiterentwicklungen des legendären "Pionier 5", der von Ernst Fischer (DM2AXA, später DL2KUX) entwickelt wurde.
Dr. Lutz Höll, DK3WI stellt diesen Empfänger auf seiner Seite vor.


Neustadt im Februar 2012

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